Was fasziniert Frauen an Schwerverbrechern?

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Was fasziniert Frauen an Schwerverbrechern?

Beitrag  Admin am Fr 19 Okt 2012, 08:06

Kriminalpsychologe Dr. Christian Lüdke: „Diese Frauen kommen oft selbst aus Familien, in denen sie Gewalt erlebt haben. Sie haben gelernt, dass Gewalt ein Bestandteil von Liebe ist. Die Beziehung zu den Tätern ist etwas Besonderes für sie. Diese Frauen glauben, nur sie können ihm helfen und unterbewusst bemuttern und bemitleiden sie sich selbst im Täter. Sie tun das für den Täter, was sie sich selbst oft am meisten gewünscht hätten. Indem sie sich um den Täter kümmern, werten sie ihr sonst schwaches Selbstwertgefühl auf.“

Dazu Kriminalist und Buchautor Stephan Harbort („Ich liebte eine Bestie – Die Frauen der Serienmörder“, Droste Verlag, 19,95 Euro): „Die Faszination geht weniger vom Täter selber aus, sondern mehr von der Tat, die er begangen hat und der hiermit verbundenen, teils ausufernden und das Interesse an der Person des Täters befeuernden Medienberichterstattung. Hätte Anders Behring Breivik beispielsweise seine Ehefrau getötet, hätte er sehr wahrscheinlich kaum Verehrerinnen-Briefe bekommen. Meistens reflektieren Frauen aus Unkenntnis bzw. Unfähigkeit die Pathologie, also das wahre Ich, der Täter nicht und ersetzen die Leerstellen durch Wunschvorstellungen oder Pseudowissen. Andere Frauen glauben, den als prominent empfundenen Tätern helfen zu können und vertreten die durchaus plausible Auffassung: Der Täter ist nicht nur seine Tat.“
Was geht in diesen Frauen vor? Glauben sie, dass die Männer, die sie anhimmeln, unschuldig im Gefängnis sitzen?
Lüdke: „Ja, manchmal glauben diese Frauen, dass die Täter zu Unrecht im Gefängnis sitzen – sie entwickeln eine völlig falsche Vorstellung von der Realität. Es ist für sie ein Schutzmechanismus, um ihr eigens Schicksal erträglich zu machen: Sie müssen die Realität umdeuten, weil das, was sie erlebt haben, viel zu schmerzhaft ist.“

Haben diese Frauen keine Angst, dass ihnen das Gleiche passieren könnte, wie den Opfern ihres Geliebten?
Lüdke: „Nein, haben sie nicht. Sie waren ja schon Opfer und haben es überlebt. Durch ihre Beziehung zum Täter sehen sie sich selbst als Retter – nicht als Opfer.“
Kann eine solche Liebe im realen Leben funktionieren?
Lüdke: „Es ist eine böse Liebe, die in der Realität sogar manchmal funktioniert. Wir kennen Fälle, in denen solche Frauen Tätern zur Flucht verholfen haben, andere haben die Täter geheiratet und sogar von ihnen Kindern bekommen. Tragisch ist allerdings, dass im wahren Leben, im Alltag, das Liebeskonstrukt zusammenbricht und sie werden von den Tätern wieder erniedrigt und gedemütigt und in die Opferrolle gebracht. Diese Frauen werden von diesen Männern niemals auf Händen getragen. Letztlich ist diese Liebe nichts anderes als eine Täuschung, eine Illusion.“

http://www.bild.de/ratgeber/2012/psychologie/warum-sich-frauen-in-schwerverbrecher-verlieben-26748050.bild.html
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